Pflegegrad 3
11. Mai 2020
Pflegegrad 1
11. Mai 2020

Pflegegrad 2

Pflegeansprüche bei erheblicher Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Aktualisiert: 11.05.2020 | Veröffentlicht: 11.05.2020
Den Pflegegrad 2 erhalten Pflegebedürftige, die erhebliche Beeinträchtigungen in der Selbständigkeit haben. Solche Einschränkungen können in der Bewegungsfreiheit, in der psychischen Verfassung oder auch bei den kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen vorliegen. Darüber hinaus erhalten alle Pflegebedürftige, welche vor der Pflegereform 2017 in der Pflegestufe 0 oder 1 eingeteilt waren den Pflegegrad 2.

Was sind die
Voraussetzungen für einen Pflegegrad 2?

In der Regel sind Betroffene, mit einem Anspruch auf Pflegegrad 2, zwei bis drei Mal täglich auf Unterstützung durch Angehörige oder einen ambulanten Pflegedienst angewiesen. Sie sind nicht dazu in der Lage ohne Einschränkungen ihre alltäglichen Aufgaben ohne Unterstützung zu meistern. Die finale Entscheidung über die Vergabe des Pflegegrades 2 liegt jedoch bei den Pflegekassen der Krankenkassen. Damit diese eine Prüfung des Pflegegradanspruches durchführen, müssen Betroffene einen Antrag auf einen Pflegegrad stellen.
Weitere Informationen und Details zur Beantragung eines Pflegegrades findest Du in unserem Beitrag Übersicht der Pflegegrade
Mit einem Klick weiter zum Beitrag
Übersicht der Pflegegrade
.

Wie genau findet
die Prüfung des Pflegegrades 2 statt?

Nachdem der Betroffene einen Antrag auf einen Pflegegrad bei der Pflegekasse gestellt hat, wird ein Gutachter bestellt. Das bedeutet, dass die Pflegekasse einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) beauftragt eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeitbei dem Antragsteller zu prüfen. Der Gutachter kommt dann zu dem Betroffenen nach hause und prüft, ob und welche Pflegebedürftigkeit vorliegt.
Bei der Prüfung werden verschiedene Punkte, je nach Einschränkung des Betroffenen, vergeben. Um einen Pflegegrad 2 zu erhalten, müssen bei der Prüfung mindestens 27 Punkte erreicht werden. Zudem liegt die Punktzahl bei einem Pflegegrad 2 immer unter 47,5 Punkten. Höhere Punktzahlen führen zu einem höheren Pflegegrad.

Habe ich mit Pflegegrad 2
einen Anspruch auf Pflegegeld?

Versicherte mit Pflegegrad 2 haben einen Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege oder auf Pflegesachleistungen bei professioneller Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst. Bei häuslicher Pflege durch Angehörige oder andere Personen erhalten Betroffene mit Pflegegrad 2 somit ein Pflegegeld in Höhe von 316 Euro im Monat. Dieses Pflegegeld wird auf das Konto des Pflegegradinhabers überwiesen.
Hinweis: Das Pflegegeld wird nur gezahlt, wenn der Betroffene und seine Pflegeperson eine halbjährliche Beratung durch einen Pflegedienst oder eine beauftragte Beratungsstelle in Anspruch nimmt. Diese ist kostenlos, für den Pflegebedürftigen.
Tipp: Als Pflegegrad 2 Berechtigter kann es vorkommen, dass eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig ist. Dort werden Patienten in der Regel mit allem notwendigen versorgt. Dennoch erhalten Betroffene weiterhin bis zu 4 Wochen Pflegegeld. Wenn eine stationäre Behandlung im Krankenhaus über 4 Wochen hinaus geht, wird das Pflegegeld erst wieder bei der Rückkehr nach hause gezahlt.

Erhalte ich mit
Pflegegrad 2 Pflegesachleistungen?

Versicherte mit Pflegegrad 2 haben einen Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege oder auf Pflegesachleistungen bei professioneller Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst.
Insofern keine häusliche Pflege durch bspw. Angehörige sichergestellt werden kann, stehen den Betroffenen Pflegesachleistungen zu. Diese dienen einer ambulanten Versorgung des Pflegegrad 2 Berechtigten durch einen Pflegedienst. Hierfür stellen die Pflegekassen 689 Euro im Monat zur Verfügung. Wenn der Betroffene nicht ambulant versorgt werden kann, muss eine stationäre Lösung gefunden werden. Für die stationäre Pflege zahlt die Pflegekasse monatlich einen Betrag in Höhe von 770 Euro.
Die Pflegesachleistungen werden nie direkt an die Betroffenen oder deren Angehörige ausgezahlt, sondern direkt zwischen den Pflegediensten oder stationären Einrichtungen und den Pflegekassen abgerechnet.

Welche Leistungen erhalten
Betroffene mit Pflegegrad 2

Betroffenen mit einem Pflegegrad 2 steht der neue, einheitliche Entlastungsbeitrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu. Mit diesem Entlastungsbetrag bei Pflegegrad 2 können Betroffene zum Beispiel an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige oder leicht Demenzkranke teilnehmen. Außerdem können sie mit diesem Betrag Haushaltshilfen oder Alltagsbegleiter engagieren und bezahlen. Je nach Bundesland kann dies durch eine Privatperson mit einem entsprechenden Berechtigungsschein oder durch einen Pflegedienst geleistet werden.

Welche Leistungen für eine Kurzzeitpflege
erhalten Pflegegrad 2 Berechtigte?

Pflegegrad 2 Berechtigte haben grundsätzlich die Möglichkeit eine Kurzzeitpflege zu beantragen. Diese kann beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt notwendig sein. Auch bei einer kurzfristigen Verschlimmerung des Gesundheitszustandes kann eine professionelle Kurzzeitpflege notwendig sein. Hierfür können Betroffene für bis zu 56 Tage im Jahr von einer Einrichtung gepflegt und betreut werden und dafür einen maximalen Zuschuss in Höhe von 1.612 Euro erhalten.
Insofern die Verhinderungspflege (siehe unten) nicht in Anspruch genommen wird, kann diese für die Kurzzeitpflege genutzt werden. Dabei ist die Dauer der Kurzzeitpflege unveränderlich bei 8 Wochen. Die zusätzlichen 1.612 Euro Zuschuss für die jährliche Verhinderungspflege können jedoch vollständig für die Kurzzeitpflege eingesetzt werden.

Steht mir Verhinderungspflege
bei Pflegegrad 2 zu?

Pflegeversicherte mit Pflegegrad 2 können neben einer Kurzzeitpflege auch Verhinderungspflege zur Entlastung der pflegenden Angehörigen in Anspruch nehmen, wenn die Pflegeperson verhindert ist. Hierfür muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum die Pflegeperson verhindert sein kann. zum Beispiel durch den Friseurbesuch am Vormittag, der wohlverdienten Urlaub oder eine Erkrankung deshalb gibt es die Möglichkeit, Verhinderungspflege stundenweise, aber auch tageweise abzurechnen.
Die Verhinderungspflege muss nicht von speziellen Pflegekräften durchgeführt werden, auch Verwandte, Freunde oder Bekannte können dafür infrage kommen. Wie die Findungspflege organisiert wird, entscheidet der Pflegebedürftige oder seiner Angehörigen. Der jährliche Betrag darf jedoch 1612 Euro nicht übersteigen.

Stundenweise Verhinderungspflege:

Bei der stundenweisen Verhinderungspflege nimmt sich die Pflegeperson für einige Stunden frei, um zum Beispiel zum Friseur zu gehen. Die Vertretung übernimmt eine beliebige Person. Solange die stundenweise Verhinderungspflege 8 Stunden am Tag nicht übersteigt, wird das Pflegegeld nicht gekürzt.

Tageweise Verhinderungspflege

Fährt die Pflegeperson zum Beispiel in den Urlaub, so kann für den gesamten Zeitraum die Verhinderungspflege genutzt werden. Für diesen Zeitraum organisiert der pflegende Angehörige oder der Pflegebedürftige selbst eine Vertretung für die Pflegeperson. Für diesen Zeitraum wird das Pflegegeld um die Hälfte gekürzt.

Tagespflege bei Pflegegrad 2

Die Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 erhalten für Tagespflege und Nachtpflege als teilstationäre Pflegeleistungen monatlich 689 Euro.

Weitere Leistungen mit Pflegegrad 2

Pflegebedürftige Patienten mit Pflegegrad 2 können noch weitere Leistungen beantragen, die Ihnen dabei helfen ihr Leben finanziell etwas zu entlasten. Folgende Zuschüsse sind möglich:
  • Medizinische Hilfsmittel
    unter medizinischen Hilfsmitteln sind Zuschüsse für Anschluss und Betrieb eines Hausnotrufsystems, eines sogenannten technischen Pflegehilfsmittels bis zu 23 Euro monatlich zu verstehen. Weitere, notwendige Hilfsmittel zur medizinischen Versorgung können per Rezept vom Hausarzt oder vom Facharzt bei der Krankenkasse, bzw. der Pflegekasse beantragt werden.
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch
    Menschen mit Pflegegrad 2 haben einen Anspruch auf Pflegehilfsmittel der Pflegeversicherung. Diese können eine Pauschalförderung in Höhe von monatlich 40 Euro erhalten, die dann zum Beispiel für einmal Handschuhe, Desinfektionsmittel oder Bettschutzeinlagen eingesetzt werden können.
  • Zuschuss für Wohnraumanpassung
    Die Pflegebedürftigen können für eine barrierefreie Wohnraumanpassung ebenfalls einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro von ihrer Pflegekasse einmalig für alle Maßnahmen der beanspruchen. Auch in diesem Fall ist es möglich erneut einen Zuschuss zu beantragen, sobald sich der Hilfebedarf im Laufe der Jahre zunehmend verschlechtern, sodass weitere Umbauten notwendig werden. Die Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen können auch für Wohngemeinschaften von pflegebedürftigen Menschen genutzt werden.
  • Kostenlose Beratung und Beratungsbesuche
    Menschen mit Pflegegrad 2 müssen, um das Pflegegeld zu erhalten, alle 6 Monate kostenlose Beratungstermine in Anspruch nehmen. Die Berater geben Ihnen Tipps für eine weitere Vereinfachung Ihres Alltags und für die Optimierung der Versorgung.

Zusammenfassung und Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Menschen, die erhebliche Beeinträchtigungen in der Selbstständigkeit haben den Pflegegrad 2 eingestuft werden. Um pflegende Angehörige zu entlasten, gibt es Leistungen, wie die Verhinderungspflege oder das Pflegegeld. Diese Leistungen müssen gesondert beantragt werden.

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