Arbeitgebermodell – Der Einstieg
20. März 2020
Arbeitgebermodell – Organisation und Teamführung
27. März 2020

Das Dienstleistermodell

Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderung, die es einfach mögen

Das Dienstleistermodell

Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderung, die es einfach mögen

HandicapX-Persoenliche-Assistenz-Dienstleistermodell
Veröffentlicht: 25.03.2020 | Letzte Aktualisierung: 25.03.2020
Die persönliche Assistenz ist eine Möglichkeit für Menschen mit Einschränkungen in der Selbständigkeit, selbstbestimmt leben zu können. Assistentinnen und Assistenten ersetzen beispielsweise die Arme und/oder die Beine des Assistenznehmers. Die persönliche Assistenz gibt es als Arbeitgebermodell und als Dienstleistermodell.
Die persönliche Assistenz ist eine Möglichkeit für Menschen mit Einschränkungen in der Selbständigkeit, selbstbestimmt leben zu können. Assistentinnen und Assistenten ersetzen beispielsweise die Arme und/oder die Beine des Assistenznehmers. Die persönliche Assistenz gibt es als Arbeitgebermodell und als Dienstleistermodell.

Was ist das Dienstleistermodell?

Für die Beschäftigung einer persönlichen Assistenz gibt es zwei verschiedene Modelle. Das Arbeitgebermodell und das Dienstleistungsmodell. Beim Arbeitgebermodell wird der Betroffene selbst zum Arbeitgeber. Beim Dienstleistermodell sucht sich der zukünftige Assistenznehmer einen Dienstleister. Dieser Dienstleister sucht und beschäftigt dann den Assistenten oder das Assistenzteam des Betroffenen. Der Betroffene hat keinerlei Aufgaben im Recruiting, der Beschäftigung oder der Personalabwicklung der Assistenten. Ein Dienstleister in diesem Fall kann ein Assistenzdienst, ein Pflegedienst oder eine Personalvermittlung sein. Diese erhält vom Betroffenen eine Beschreibung des Assistenzbedarfes, die Zielvereinbarung, und ist dann für die Sicherstellung der Assistenzleistungen zuständig.

Welche Aufgaben übernimmt ein Dienstleister?

Wie bei jedem Dienstleistungsverhältnis in Deutschland ist es Vertragssache, welche Aufgaben die Unternehmen bzw. die Dienstleister übernehmen. Folgende Aufgaben können von einem klassischen Assistenzdienst, einem Pflegedienst oder einer Personalvermittlung übernommen werden:
  • Verhandlungen mit dem Kostenträger
  • Suche nach Assistentinnen und Assistenten
  • Personalmanagement
    • Arbeitsverträge
    • Teamsitzungen
    • Verwaltung
  • Abrechnung und Bezahlung der Assistenzkräfte
  • Sicherstellung der Vertragserfüllung gegenüber dem Betroffenen, bspw. bei Ausfall eines Assistenten wegen Krankheit
  • Nachweiserbringung gegenüber dem Kostenträger

Welcher Dienstleister passt zu mir?

Jeder Dienstleister hat andere Vertragsbedingungen, andere Mitarbeiter und ein eigenes System. Es ist wichtig, dass der Assistenznehmer sich bei seinem Dienstleister gut aufgehoben und wahrgenommen fühlt. Es gibt viele Assistenz- und Pflegedienste, welche die Vermittlung und Bereitstellung einer persönlichen Assistenz anbieten. Eine ausgiebige Recherche im Internet führt in der Regel schnell zu einem passenden Suchergebnis. Darüber hinaus sind der persönliche Austausch zwischen Assistenznehmern zu deren Erfahrungen sowie die eigenen Erfahrungen wichtig.
Viele Dienstleister bieten kostenlose Erstgespräche an. Auch diese kann man nutzen, um sich einen Eindruck vom Unternehmen und den Mitarbeitern zu verschaffen. Es macht selten Sinn, den erstbesten zu nehmen. Es ist ratsam mehrere Gespräch zu führen und sich mehrere Angebote vorlegen zu lassen. Anschließend wählt dann das Angebot aus, was wirklich zu Euch passt.

Für wen ist das Dienstleistermodell geeignet?

Das Dienstleistermodell ist für alle Menschen mit Behinderung geeignet, die mit der Organisation ihrer Assistenz und mit der Kommunikation mit den Kostenträgern nichts zu tun haben möchten. Ebenso ist das Dienstleistermodell für Assistenznehmer geeignet, welche die Assistenten nicht selbst führen können. Dazu gehört nicht nur die Kommunikation mit dem Personal selbst sondern auch die Fähigkeit Dienstpläne zu schreiben oder die Kommunikation mit dem Kostenträger zu führen.

Was kann ich als Assistenznehmer im
Dienstleistermodell selbst entscheiden?

Welche Entscheidungen der Assistenznehmer selbst trifft, hängt von dem bestehenden Dienstleistungsvertrag, von der Zielvereinbarung mit dem Kostenträger und von der Kommunikation mit dem Dienstleister ab. Es ist wichtig, dass der Assistenznehmer seine Wünsche äußert und konsequent vertritt. Ist er dazu nicht selbst in der Lage, sollte dies der entsprechende, gesetzliche Betreuer übernehmen. Für ein selbstbestimmtes Leben ist es wichtig, dass die Wünsche der Assistenznehmer sehr starke Berücksichtigung finden.

Was kann der Assistenznehmer tun, wenn der
Dienstleister Fehler macht oder nicht zuverlässig ist?

Reden, reden, reden. Das ist der Grundsatz, dem die menschliche Kommunikation folgt. Gibt es mit dem Dienstleister Probleme, so ist es wichtig, dass man diese kommuniziert. Das kann bei einem persönlichen Gespräch passieren oder in einer E-Mail geschrieben werden. Auch am Telefon kann man seine Anliegen vorbringen
Sollte die Kommunikation mit dem Dienstleister nicht helfen, kann es ratsam sein den Anbieter zu wechseln. Auch ein Wechsel vom Dienstleister- in das Arbeitgebermodell ist möglich. Dafür ist es dringend notwendig mit dem Kostenträger in Kontakt zu treten. Vor allem deshalb, weil der Dienstleister mit dem Kostenträger abrechnet und hier eventuelle Vorkehrungen für einen Wechsel getroffen werden müssen. So kann es sein, dass beispielsweise der monatliche Betrag neu verhandelt werden muss. Erst wenn der Kostenträger bestätigt hat, dass der Wechsel stattfinden kann, darf der Assistenznehmer oder dessen Betreuer den Vertrag mit dem Dienstleister kündigen.

Welche Vorteile bringt das
Dienstleistermodell gegenüber dem Arbeitgebermodell?

Für den Assistenznehmer ist das Dienstleistermodell eine sehr einfache Lösung. Alle Personalangelegenheiten, Organisationsaufgaben und der gesamte Verwaltungsaufwand wird vom Dienstleister übernommen. Der Assistenznehmer kann sich zurücklehnen und mit der Hilfe der Assistentinnen und Assistenten sein Leben genießen.
Für viele ist die persönliche Assistenz eine sehr individuelle Sache. Auch das Menschliche zwischen Assistent und Assistenznehmer muss stimmen. Im Arbeitgebermodell führt der Assistenznehmer die Vorstellungsgespräche selbst und entwickelt mit der Zeit ein Gefühl dafür welcher Bewerber oder welche Bewerberin ins Team passt und welcher nicht. Beim Dienstleistermodell ist das nicht immer so. Je nachdem, wie der Dienstleister organisiert ist, hat der Assistenznehmer kaum oder kein Mitspracherecht bei der Auswahl seines Assistenten oder Assistenzteams. Auch die Zusammensetzung des Teams kann mitunter variieren.
Zusammenfassend bietet das Dienstleistermodell für Assistenznehmer eine sorglose Möglichkeit die Vorteile einer persönlichen Assistenz zu nutzen. Unabhängig davon ob der Betroffene die Assistenz nicht selbst organisieren kann oder möchte. Häufig wird das Dienstleistungsmodell auch vom gesetzlichen Betreuern eingesetzt, da der Aufwand, den der Auftraggeber (Betreuer oder Assistenznehmer) aufbringen muss, sehr gering ist. Ein Dienstleister kann ein Assistenzdienst, ein Pflegedienst oder eine Personalvermittlung sein. Der Dienstleister übernimmt die Rolle des Arbeitgebers und verpflichtet sich zur Sicherstellung der Assistenz, wie sie vom Mensch mit Behinderung in der Zielvereinbarung festgelegt ist.

Weitere Beiträge zu Persönlichen Assistenz

27. März 2020

Arbeitgebermodell – Organisation und Teamführung

Die persönliche Assistenz ist eine Möglichkeit selbstbestimmt leben zu können, obwohl der Menschen auf Grund seiner Behinderung (Assistenznehmer) auf Hilfe im Alltag angewiesen ist. Im Arbeitgebermodell übernimmt der Mensch mit Behinderung die Position des Arbeitgebers. Er muss somit die Personalbeschaffung, […]
20. März 2020

Arbeitgebermodell – Der Einstieg

Mit persönlicher Assistenz kann ein Mensch mit Behinderung selbstbestimmt leben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die persönliche Assistenz organisiert werden kann. Im Arbeitgebermodell wird der Betroffene selbst zum Arbeitgeber.
20. März 2020

Persönliche Assistenz

Das Leben in einer eigenen Wohnung, das Studium an der Universität und einfach mal ins Kino gehen, das ist für Menschen mit Behinderung, die nicht ohne Hilfe durch einen Pflegedienst oder Angehörige leben können, häufig ein Problem. Die persönliche Assistenz […]

Interessante Webseiten

Hier findest Du weitere interessante Webseiten (Links)

Austausch mit Betroffenen

Hier kannst Du Dich mit anderen Nutzern zum Thema "Persönlicher Assistenz" austauschen.

Weitere Beiträge aus der Themenwelt

5. Dezember 2019
Querschnittlähmung
Eine Querschnittlähmung (laut Duden auch Querschnittslähmung) ist eine Verletzung des Rückenmarks, welche zu eingeschränkten Funktionen oder dem vollständigen Verlust von Funktionen bestimmter Körperbereiche führt. Weltweit sind ca. 2,7 Millionen und deutschlandweit ca. 16.000 Menschen von einer Querschnittlähmung betroffen. Die Ursachen, […]
10. Oktober 2019
Gesetzliche Erbfolge und Pflichtteilsrecht
Wer stirbt, ohne ein Testament gemacht zu haben, vererbt sein Vermögen nach der sogenannten gesetzlichen Erbfolge. Der folgende Artikel beschreibt etwaige Besonderheiten beim Erben für Menschen mit Behinderung.
1. August 2019
Der Euroschlüssel (Euro-Key)
Wer zum ersten Mal den Begriff Euroschlüssel (Euro-Key) hört, denkt sicherlich nicht gleich an einen Schlüssel für barrierefreie Toiletten und Sanitäranlagen in ganz Europa. Doch genau das eben ist der Euroschlüssel – ein Universalschlüssel für barrierefreie Toiletten und Sanitäranlagen in […]
17. März 2020
Grad der Behinderung (GdB)
Der Grad der Behinderung (GdB) ist eine Maßeinheit und zeigt an, wie stark die Einschränkungen sind, die Betroffene durch eine Krankheit oder Behinderung haben. Der GdB dient Behörden und anderen Stellen als Orientierungshilfe für die Inanspruchnahme von Leistungen durch Betroffene. […]
6. November 2019
Querschnittzentren und Kliniken
Die Behandlung von Rückenmarkverletzungen und Querschnittlähmungen bedürfen Experten und Fachkompetenz. Sowohl in medizinischer Hinsicht, als auch bei der Pflege und Rehabilitation muss speziell auf die Bedürfnisse dieser Krankheitsbilder eingegangen werden. Dafür gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz spezialisierte […]
11. Oktober 2019
Der Schwerbehindertenausweis
Wer den Begriff Schwerbehindertenausweis hört, denkt meistens an eine Person die im Rollstuhl sitzt oder an einer geistigen Behinderung leidet. Nur wenigen ist bekannt, dass auch Krankheiten, wie zum Beispiel Rheuma, unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls als eine Schwerbehinderung eingestuft werden. […]

Wir freuen uns über Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Send this to a friend